Insights

Macmillans CEO über Führung im Wandel

Artikel von William Salvi, redigiert von Chelsea Brown

Der CEO von Macmillan spricht offen über Führung im Wandel, den Umgang mit gesellschaftlichem Druck und darüber, wie Unternehmen ihren Kern nicht aus den Augen verlieren.

Als jemand, der regelmäßig mit CEOs über ihre Branchen, Werdegänge und Überzeugungen spricht, ist mir das Gespräch mit Jon Yaged, CEO von Macmillan, besonders in Erinnerung geblieben. Es ging nicht nur um Bücher oder Verlagsarbeit – sondern um Werte, Unternehmenskultur und die Rolle von Führungskräften in einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen.

Überrascht hat mich weniger Jons Leidenschaft für Literatur – die war erwartbar –, sondern wie offen er über die Herausforderungen sprach, mit denen Macmillan aktuell konfrontiert ist, insbesondere im Zusammenhang mit zunehmenden Buchverboten.

Buchverbote mögen wie ein Relikt aus der Vergangenheit klingen, doch wie Jon erläuterte, nehmen sie wieder zu. Schulen und Bibliotheken stehen unter Druck, Bücher aus dem Bestand zu entfernen, die sich mit Themen wie Rassismus, Geschlechterrollen oder Identität befassen. Für Macmillan, einen der fünf größten Verlage in den USA, ist das nicht nur eine wirtschaftliche Frage – sondern eine kulturelle und politische. Jon machte deutlich: Die Aufgabe des Verlags sei es nicht, das Bequeme zu veröffentlichen, sondern das Relevante. Und das sei mit Risiken verbunden – insbesondere dann, wenn Vertriebspartner, Schulen oder lokale Behörden Widerstand leisten.

Wir sprachen auch darüber, was es heute bedeutet, als CEO mit gesellschaftlichem Gegenwind umzugehen. Jon verfolgt dabei keinen demonstrativen oder lauten Ansatz. Er versucht nicht, die Werte von Macmillan besonders öffentlichkeitswirksam zu inszenieren. Stattdessen setzt er auf Zuhören, klare Haltung und Zusammenarbeit mit Partnern, die dieselbe Mission teilen. Diese Form von Klarheit stach heraus. Führung bedeutet nicht immer, lautstarke Auseinandersetzungen zu führen – manchmal geht es darum, mit Überzeugung Raum für Diskurs zu bewahren.

Ein weiteres Thema unseres Gesprächs war Künstliche Intelligenz und ihr Einfluss auf das Verlagswesen. Jons Haltung ist pragmatisch: KI soll Prozesse effizienter machen, Zugänglichkeit verbessern und Redaktionen unterstützen – nicht ersetzen. Er zeigte sich weder euphorisch noch alarmistisch, sondern betrachtete KI als ein Werkzeug, das verantwortungsvoll eingesetzt werden muss. Für eine Branche, die oft als traditionell gilt, wirkt Macmillan dabei bemerkenswert zukunftsorientiert – ohne seine verlegerische Identität zu verlieren.

Aus dem Gespräch lassen sich Impulse für Führungskräfte in vielen Branchen ableiten. Jon leitet ein Unternehmen an der Schnittstelle von Kultur, Politik und Innovation. Er agiert nicht aus Angst oder Ablenkung heraus, sondern mit Klarheit: Wofür stehen wir? Wem dienen wir? Wo können wir uns weiterentwickeln, ohne unsere Grundsätze aufzugeben? Fragen, die nicht nur für Verlage relevant sind, sondern ebenso für Start-ups oder Technologieunternehmen.

Was ich aus diesem Interview mitgenommen habe, ist ein tieferes Verständnis dafür, wie eng Führung und Unternehmenskultur miteinander verbunden sind. Jon Yaged sucht nicht die große Inszenierung für Macmillans Haltung. Er arbeitet daran, den Raum offen zu halten – für Autor*innen und für Geschichten, die wichtig sind. In einer Zeit, die von Polarisierung und Lautstärke geprägt ist, hinterlässt diese ruhige Entschlossenheit einen bleibenden Eindruck.


Aus dem Englischen übersetzt.